V8 Trip to Viking Land
Die Hinfahrt
Waaaas, spinnt Ihr??? Mit der alten, versoffenen Karre von der Schweiz bis nach Schweden fahren? – So und ähnlich lauteten die meisten Reaktionen unserer wohlgesonnenen Bekannten, sobald uns unvorsichtige Andeutungen über unsere Sommer-Urlaubspläne herausrutschten.
Nun ja, aus dem bürgerlichen Sparwagenfahrer-Blickwinkel waren solche Einwände nicht ganz unbegründet, denn zum Zeitpunkt unserer bevorstehenden Reise hatte unser braver Familien-Caprice bereits über 400.000 km auf seinem Blechbuckel und der Benzinpreis schraubte sich unbarmherzig auf einen noch nie dagewesenen Höchststand. Unsere Vorfreude auf das gemütliche Cruisen in unserer sanften Sänfte liess den „Barrel-Eater-Trotz“ einmal mehr siegen. Bedenken wegen möglicher technischer Ausfälle hatten wir keine, zumal der Schlitten noch unmittelbar vor Reiseantritt Bumäs kritischen Rundum-Check mit Bravour bestanden hatte. Ausserdem wollten die frisch erstandenen Cooper Pneus auf ihren schönen neuen Chromfelgen nicht umsonst montiert worden sein.
Bereits beim Beladen wurde schnell klar, dass ein klassischer Familienkombi mit weltlichen Reihenhaus-Abmessungen vor unserem auswanderungsverdächtigen Gepäckvolumen kapituliert hätte. Ich habe keine Ahnung wie es mir früher möglich war, sogar einen kompletten Wohnungsumzug in meinem VW-Käfer unterzubringen…jedenfalls näherte sich der Chevy nach dieser Materialschlacht souverän der Zweieinhalb-Tonnen-Grenze.
Endlich auf der Autobahn angekommen, bullerte der V8 hörbar zufrieden vor sich hin und begann gemütlich die bevorstehenden Kilometer aufzusaugen. Auf deutschem Boden sorgte dann die liebe Öko-Steuer beim ersten Tankstopp für rege Heiterkeit und Ferienstimmung. Ich verdrängte tapfer das Bedürfnis künstlich beatmet werden zu müssen, als unsere Urlaubskasse um einen dreistelligen Euro-Betrag ärmer wurde (Grüne in den Mixer!!!) Da bei einem Anreiseweg von 1.500 km selbst im komfortablen Fahrsalon eines Chevys das geduldige Sitzfleisch hart wie Beton wird, hatten wir zwei Zwischenstopps eingeplant. Die Karte zeigt den gesamten Hinweg:
Einer der beiden Zwischenstopps war die Überfahrt auf der Ostsee-Fähre von Travemünde nach Trelleborg. Da wir ja im Urlaub waren, entschieden wir uns für die „gemütlichere“ Variante und wählten die verzögerte Nachtfahrt mit eigener Schlafkabine (oder sollte ich besser „Legebatterie“ schreiben?…). Am nächsten Morgen wurden wir nach einer scheusslichen Nacht in besagtem Übernachtungsbehälter freundlich vom Frühstückstisch zum Auto gejagt, da das Schiff unmittelbar anlegen sollte. Mit zwei Kindern unter dem Arm und den Backen voll Buffet-Rührei liessen wir uns noch immer kauend in den Hangar schubsen. Die ersten Autos rollten bereits aus dem gähnenden Schlund der riesigen Fähre, als unser Hintermann bereits nervös wurde und mit dem Fernlicht herumflackerte. Nachdem die Ei-verschmierten Kids in ihren Sitzen verzurrt waren, grollten 5 Liter geballter Zorn durch den Schiffsbauch und die Lichtsignale hinter uns verschwanden im Kaltstartnebel. Die neuen Reifen schmeckten zum ersten Mal schwedischen Boden.